Golden Retriever · FCI-Nr. 111
Kaum eine Rasse wird so oft als unkompliziert beschrieben. Und kaum eine zeigt so deutlich, warum der Satz „der ist getestet“ allein noch nichts bedeutet. Beim Golden Retriever kommt es darauf an, worauf.
Schottland · Apportierhund nach dem Schuss
Wofür er gebaut wurde.Der Golden Retriever stammt aus Schottland und wurde als Apportierhund für die Jagd gezüchtet. Er ist bekannt für Intelligenz, ein sanftes, freundliches Wesen und eine ausgeprägte Führigkeit — Eigenschaften, die nicht nebenbei entstanden sind, sondern zur Aufgabe gehörten.
Genau diese Eigenschaften sind auch das Zuchtziel: Wesen, Arbeitsfreude und eine robuste Gesundheit zu erhalten. Der erste Teil davon gelingt der Rasse seit Jahrzehnten. Der zweite ist die schwierigere Hälfte.
Was man sieht · und was der Befund sagt
Die andere Hälfte.Der Golden Retriever ist mit einer außergewöhnlich breiten Palette schwerer Erbkrankheiten belastet. Das ist keine Anklage gegen die Rasse, sondern der bekannte Ausgangspunkt jeder ernsthaften Zuchtarbeit an ihr und der Grund, warum das Präventionsprogramm für den Golden Retriever zu den umfangreichsten überhaupt gehört.
Betroffen sind vor allem die Augen, die Haut, das Herz und das Nervensystem. Für einen Teil davon gibt es zuverlässige Gentests. Für einen anderen Teil gibt es keine. Das ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob wirklich geprüft wurde.
Dreimal derselbe Name.Die Progressive Retina Atrophie führt zur Erblindung. Beim Golden Retriever gibt es sie in drei genetisch völlig verschiedenen Formen, verursacht durch Mutationen in drei unterschiedlichen Genen.
Eigenes Gen, eigener Test. Ein negatives Ergebnis hier sagt über die beiden anderen Formen nichts aus.
Anderes Gen, anderer Test. Derselbe Hund kann hier Träger sein, obwohl er bei Form 1 als frei befundet wurde.
Drittes Gen, dritter Test. Erst alle drei zusammen ergeben eine Aussage über das Erblindungsrisiko.
Ein Test, der nur eine dieser Formen nachweist oder ausschließt, hat über die anderen beiden keinerlei Aussagekraft. Deshalb ist im Zuchtprogramm nicht „ein PRA-Test“ vorgeschrieben, sondern das vollständige Panel, das alle drei bekannten Mutationen abdeckt.
Wer nur hört, ein Elterntier sei „auf PRA getestet“, hat damit noch keine Information — sondern eine Frage, die sich am Papier nicht beantworten lässt.
Und dann das, was kein Gentest findet.Eine schmerzhafte entzündliche Augenerkrankung, die in der Rasse zunimmt und häufig zur Erblindung führt, lässt sich derzeit gar nicht genetisch nachweisen. Es gibt keinen Test dafür.
Gefunden wird sie nur auf einem Weg: durch die regelmäßige Augenuntersuchung bei einer Fachtierärztin oder einem Fachtierarzt. Deshalb ist sie im Programm für diese Rasse verpflichtend, und zwar wiederkehrend, nicht einmalig.
Beim Herzen genügt Abhören nicht.Der Golden Retriever hat ein erhöhtes Risiko für eine angeborene Verengung der Hauptschlagader. Sie kann zu Herzversagen und zum plötzlichen Herztod führen, und milde Formen sind mit dem Stethoskop oft nicht zu erkennen.
Bei den meisten Rassen ist das Abhören der erste Schritt und der Ultraschall folgt nur bei auffälligem Befund. Bei dieser Rasse ist der Ultraschall durch eine zertifizierte Kardiologin oder einen zertifizierten Kardiologen für jedes Zuchttier vorgeschrieben: vor dem ersten Zuchteinsatz, ohne dass es einen Verdacht braucht.
Ein Gentest beantwortet genau eine Frage.
Bei dieser Rasse sind es mehrere —
und einige, die er gar nicht stellen kann.
Acht Wochen · nichts davon ist zu sehen
Am Welpen sehen Sie nichts.Keine der genannten Erkrankungen ist einem acht Wochen alten Welpen anzusehen. Nicht bei diesem, nicht bei einem anderen, und auch nicht von jemandem, der sich auskennt. Sie entscheiden sich bei einem Welpen immer für etwas, das Sie nicht sehen können.
Was Sie sehen können, ist der Nachweis. Und zwar nicht als Stapel Befunde, den Sie auseinandernehmen müssten. Sie müssen weder wissen, wie viele PRA-Formen es gibt, noch nach einzelnen Tests fragen.
Ein Papier genügt.Das Zertifikat des Welpen wird nur ausgestellt, wenn beide Elterntiere nach dem Programm ihrer Rasse zuchttauglich befundet waren — beim Golden Retriever also einschließlich des vollständigen Testpanels, der wiederkehrenden fachtierärztlichen Augenuntersuchung und des Herzultraschalls.
Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode. Den tippen Sie auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.